Der Jagdschein

Den braucht man im Revier. Fred hatte keinen. Und er war fest davon überzeugt, dass er niemals einen brauchen würde, weil ihm natürlicherweise keiner gewachsen war…

Wilhelm Hochgreve, Schriftsteller und Jäger (Jagdschein)
Jagdschein Wilhelm Hochgreve, Schriftsteller und Jäger

Strafen und heilen, Segen verteilen. Oben und unten, rechts und links. Was zu sagen wäre, was zu tun sei, was keiner hören wolle und was man besser keinem erzählte. Wenn man aber insofern Stellung bezöge, wäre das zu verstehen entgegen aller Regeln der Kunst gemeinsamen Lebens. Den Stengel rauf, runter, rauf, runter. Über Kunst, Brunst, Hintergründe, Absichtserklärungen, Hysterie. Mann fragt sich: „Kann ich das überhaupt? Habe ich genug getan?“ Müdigkeit, Verdrossenheit, das Gegenteil.

Frühling pleddert über den grünen Klee. Sommer wächst ins Maul der modernden Fäulnis. Herbst lockt golden mit angenehmer Müdigkeit. Dann kommt der Winter. Dabei hilft Dir keiner. Aufstieg in die Isolation, weg von allem weinerlichen „Bitte Bitte!“. Kontakt haben heißt aufmerksam sein. Manchmal geht es um Leben und Tod. Meistens ist es nicht darunter zu haben. Beziehungsweise Umgangsformen, Hintergründe, keine kleine Bildung, durch Wissen vermittelt von Oma und Opa, die lesen und wissen und schreiben seit Generationen. Zu faul! Ich bin dumm, ich bin Dich satt! Ich kann nicht lesen! Oder: Ich bin nicht dumm, aber mit dem, was ich an Geschichtswissen und Bewusstsein der Gegenwart aufzubringen vermag, kann man einfach nur bescheiden sein, den Erfolg von vorne herein relativieren! Macht und Ohnmacht der Macht. Arbeiten, schreiben, lesen -was? Suchen, die Sprache als Leckerbissen, ein zweischneidiges Schwert. Der Moral biederstes Kind, unabhängig von Rollenverteilungen, klischeehaft, berserkerartig ausbrechende Wut. Freiheit und Abenteuer. Rock’n’Roll, diese Blumen, des Bösen eigenster Ausdruck? Aber nicht doch, hier liegt sicher ein Missverständnis vor. Und zurück. Die Tante nebenan hört Elvis. Jeden Tag durchs offene Fenster und geht mit ihren Hündchen an der Leine. Die Nase hoch, die Augen fest geschlossen…

Was soll ich schreiben? Texte, Texte, die ich verbrennen kann gegen Geld? Hilfe, dabei liegt hier ein Pool, ein See ein Bums Fallera, eine Anrichte der Massenkultur, etwas wie tanzen und spazieren gehen. Gleichzeitig essen und trinken das heilige Brot, die Speise die satt macht. Ich töte, ich will, ich muss, ich hasse, ich sterbe, ich lebe, ihr seid, ich werde, wie viel? Die Lust, die Liebe, die Sehnsucht, der Streit das Vermächtnis, die einsame Hure, der Stil, der leere Kopf, die Müdigkeit. Dieses Bewusstsein, etwas besonders Wertvolles getan zu haben, wie etwa die Sonne genießen, oder die Zeit, die Liebe als Sehnsucht.

Romantisch die Vorstellung. Erfüllung heißt Tod, i m m e r ! Das macht die Liebe so absurd, weil, ja weil, ja weil… Die krummen Assoziationen, der Dalai Lama mit seiner Katze, ich hasse, ich töte, ich werde kämpfen, ruhig, ich werde kämpfen, ruhig, ich werde den alten bums bums bums, werde… merkt Ihr’s eigentlich immer noch nicht? Ich spiele nicht mit. Euer Internetversteck, -verraten und verkauft die Würde. Das schlechte Gewissen – wie, nicht genug getan? Aber wenn das Talent nicht reicht? Wer vergleicht sich da? Warum vergleicht er sich? Warum quält er? Sich und Andere. Warum macht er’s nicht billiger? Oder aber er haut rein? Hysterie, schlecht, verkrampft. Alles, was so kommt ist zweite Wahl. Gelernt ist ungelernt. Der Rahmen, in dem etwas stattfindet, der Zweck zu dem es erfunden wird, der persönliche (Hinter) Grund. Was bin ich und was nicht? Bitte nicht so trocken! Noch Dichter? Zu allgemein – aber schon eher. Werbetexte? Warum nicht? Weil ich das definitiv nicht kann, anderer Leute Scheiß verkaufen. Vielleicht doch? Aber du weißt es doch: Performance heißt: für die Schublade, aus der Schublade, heißt: immer fit, immer obenauf, heißt: TexteTexteTexte (immer zu wenig…). Jetzt mach mal’n Text! Endlich mal wieder! -Worüber? -Wie immer, was kommt. -Erdoğan? Hab ich schon.

Schreiben ist Gift, schreiben ist schön, Gift ist schön, ich bin schön, ich bin Gift, ich bin größer, kleiner… Ich? Du, was soll das werden? Reimen, schleimen, meinen, sagen, tragen, schlagen, Ecken stecken, Zecken checken, Träume, Menschen die verrecken, Todesspritzen, Krallenvögel, Kinder fallen, Menschenjäger, wenig Respekt, keine Ehrfurcht, stimmt es, das…?

Am Abend wacht der Mensch erst auf und füttert seine Liebe/ desgleichen steigt die Berge rauf so manche kleine Ziege/ und wenn sie nicht gestorben ist/ so füttern sie die Leute/ doch was am Ende sie nicht frisst/ wird auch nicht ihre Beute…. Noch’n Gedicht!

Bestie Mensch. Was bleibt, wird Salamander. Da bin ich mir sicher, ganz. Alle Kunst wird sterben im Menschen. Er wird wieder sein wie ein wildes Tier. Dieses Suchen, dieses ewige Unfertig Sein wird aufhören. Das Göttliche, das Werden, „Es Selbst“ wird in etwas anderem sein. Oh natürlich, so wie es heutzutage andere Tauben gibt, oder Hunde aus Wölfen, so etwas wird möglich sein, aber du und ich, Suchende; endlich werden wir Ruhe haben in einigen Millionen Jahren, um schließlich auszusterben, bis auf eine kleine Subspezies. Geckos, aber auch die irgendwann: „Weg vom Fenster, ausgemustert!!“

Jetzt aber aufhören!. Oder zurückfinden zu dem, was fließt. Was ist das? Es klappt sofort, es klappert der Müller am rauschenden Bach, bei Tag und bei Nacht hält die Mühle ihn wach…

Ohne Absicht, nur ganz leicht eingreifen, wie Tanzen zweier Gedanken. Persönlich, ohne Analyse schreibt es doch, und wie gesagt, es kommt. Gib dich hin, schreib auf und mit: Was ist es? Vorschreiben, stundenlang, große Buchstaben auf relativ kleine Blätter. Was dabei herauskommt? Ich weiß es nicht. Befriedigend. Analyse, Arbeit ist Leistung in der Zeit. Blase spielen. Leichtigkeit, erfüllt sein, sich mitnehmen, überzeugen, wahrhaftig sein. Auch im eigenen Interesse, immer, immer, immer… Keiner ist Jesus, auch er selbst nicht. Der Teufel, Satan, Angst, Tabu verletzen, Namen sprechen, sagen, bezeichnen. Was soll das, bringt das was? Außer Selbsterkenntnis. Was heißt: „außer“? Wissen ist Macht. Macht und Ohnmacht sind untrennbar miteinander verbunden und auf ewig getrennt wenn man sie kennt. Selbst wenn es keine Haaresbreite ist. Jeden Abend tausend Worte. Das sind jetzt schon über 600, die Masse macht’s. Und dann Rollen verteilen: der Böse, die Liebe, der Zaghafte. Wie ein Romancier? Aber nein, Berge wie aus der Modelleisenbahn, Spielzeugwelten, persönliches Unbewusstes. Einer geht noch, einer geht noch einer geht… Wer kommt?? Arbeit an dir, an mir, an wem auch immer. Bis zum umfallen? Sicher nicht, Müdigkeit ist auch ein Element. Hysterie ein zweites, die Angst vorm Tod braust auf. Gelebt, gelitten und wieder geboren. Aufklärung, Hintergründe, Meinungen. Nicht mehr so dicht sozusagen, aber immerhin, als Rohstoff… Für Kino, Literatur, Bilder, noch sonst was? Nachholbedürfnis, Wissen, -vielleicht nur Ballast, klar, aber trotzdem. Nirgendwo eine Geschichte dran aufhängen… Am ehesten noch… halt, ich sag’s nicht, ich will nicht. Verschlamptes Bildungsgemenge, keine Lust, keine Motive, null Bock, keine Konversation, kein Lexikon. Geschichte wird nicht geschrieben, sie wird gemacht, oder auch nicht. Auch von mir oder auch nicht. Immerhin weiß ich, dass ich nicht aus dem Nichts kommen kann. Oder?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schna´sel: Der Jagdschein

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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9 Kommentare zu „Der Jagdschein“

            1. Kenn ich. Als Allgäu-Immi bringt man vielleicht noch „Du bisch…, Du hasch…“ raus (ziemlich generell „sch“ statt „st“), aber beim Rest des Satzes verrät man sich unweigerlich -> lächerlich.

              Gefällt 1 Person

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