Die Forelle

Die Forelle ist eines der bekanntesten Kunstlieder von Franz Schubert. Der Text stammt von Christian Friedrich Daniel Schubart.

Christian Friedrich Daniel Schubart schrieb das zugrunde liegende Gedicht zwischen 1777 und 1783 während seiner bis 1787 dauernden Gefangenschaft auf der Festung Hohenasperg. In der Fabel der Forelle symbolisierte er sein eigenes Schicksal. Um die allzu offensichtlichen Parallelen zu verstecken, deutet eine vierte Strophe die Fabel zu einer Warnung vor Verführern junger Mädchen um. Das Gedicht erschien erstmals 1783 im Schwäbischen Musen-Almanach im Druck. Das Schicksal Schubarts diente verschiedenen Schriftstellern als Motiv, unter anderem Friedrich Schiller für sein Drama Die Räuber.

In einem Bächlein helle,
Da schoß in froher Eil
Die launische Forelle
Vorüber, wie ein Pfeil:
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süßer Ruh
Des muntern Fischleins Bade
Im klaren Bächlein zu.
Ein Fischer mit der Ruthe
Wohl an dem Ufer stand,
Und sah’s mit kaltem Blute,
Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
So dacht’ ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
Mit seiner Angel nicht.
Doch endlich ward dem Diebe
Die Zeit zu lang; er macht
Das Bächlein tückisch trübe:
Und eh’ ich es gedacht,
So zuckte seine Ruthe;
Das Fischlein zappelt dran;
Und ich, mit regem Blute,
Sah die Betrogne an.
Ihr, die ihr noch am Quelle
Der sichern Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle;
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
Der Klugheit; Mädchen, seht
Verführer mit der Angel –
Sonst blutet ihr zu spät.

Mit dem Tod Schubarts 1791 verbindet sich die Sage, er sei lebendig begraben worden, was Hölderlin und andere sehr erschüttert haben soll. Gesammelt und verbreitet wurden diese Gerüchte 1849 von David Friedrich Strauß, dem ersten Schubart-Biografen. Der Dramatiker Heiner Müller wollte 1995 sogar eine „große Angst deutscher Dichter seit Schubart“ festgestellt haben, scheintot beerdigt zu werden:

„Als man sehr viel später den Friedhof abgeräumt hat, hat man entdeckt, dass der Sarg von innen völlig zerkratzt war, der Sarg von Schubart, das ist schon makaber, nach zwölf Jahren Knast auch noch scheintot zu sein.“

Heiner Müller: Werke, Bd. 12, S. 710.

 

Advertisements

3 Kommentare zu “Die Forelle”

  1. Frederic Chopins Herz soll ja nach Polen gebracht worden sein. Das hatte aber weniger mit Scheintodangst als mit Patriotismus zu tun – oder so wurde mir das erklärt.
    Wenn’s keine Sage ist, mag es wohl wahr sein.

    Gefällt 1 Person

    1. Frederic Chopins Herz…

      Das passt zu den Polen, so wie ich sie in den letzten Jahren wahrnehme. Diese wörtliche Bezugnahme auf den Katholizismus inklusive dessen, was deren Gläubigen als „Heiligstes Herz Jesu“ gilt:

      „Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles.“

      Leider kriege ich bei sowas immer die Krise und werde eher an das „Herz der Finsternis“ erinnert. Das ich als Buch nie gelesen habe, das aber, wie die Wikipedia schreibt auch für den Film Apokalypse Now Grundlage gewesen sein soll.

      Die Erfahrungen die Schubart (auch als Journalist) gemacht hat, scheinen für viele musisch begabte Schreiber, Textkünstler, Dichter, prägend zu sein. Vielleicht auch, weil der Text, anders als die Musik oder das Bild eine noch intimere Zweierbeziehung zum Rezipienten voraus setzt, wenn es von diesem in seinem Kämmerlein oder meinetwegen auch irgendwo auf der grünen Wiese verinnerlicht wird. Auch wenn Sie Chopin anführen, und auch wenn es viele Beispiel für unglückliche Musiker und Maler gibt (Van Gogh z.B. fällt mir sofort ein): Am Anfang war das Wort. Als Dichter ist man zwar auf der einen Seite noch viel näher dran an dem, was rational in einem denkt und spricht, aber man ist, glaube ich genau aus dem Grund auf der anderen Seite, einfach auch viel gefährdeter, isoliert zu werden, oder sich zu isolieren. Weil ja jeder sprechen und schreiben kann und natürlich für seine Gedanken und die damit verbundenen Inhalte die gleichen Rechte einfordert, wie jeder andere Sprecher oder Schreiber auch. Ob jemand malen oder Musik machen kann, wird nach den Maßgaben, unter denen künstlerischer Ausdruck bewertet wird ziemlich schnell von jedem mehr oder weniger kompetent jedem beurteilt. Auch wenn da Fettecken gibt mit denen sich „volksnah“ niemand so recht anfreunden kann:

      Zwei SPD-Mitglieder, Hilde Müller und Marianne Klein, suchten eine Schüssel zum Gläserspülen und entdeckten die scheinbar mit Heftpflaster und Mullbinden[5] verschmutzte Badewanne, ohne zu ahnen, dass diese mit ihren Materialien ein Kunstwerk war. „Wir dachten, das alte Ding könnten wir schön sauber machen und benutzen, um darin unsere Gläser zu spülen“, erinnern sie sich, „so wie die aussah, konnten wir sie nicht gebrauchen. Deshalb haben wir die Wanne geschrubbt.“

      Aber als Dichter? Man äußert sich in einem Medium, das für jeden Menschen zwangsläufig zum Alltag gehört. Und wenn man dann die Dinge nicht bei ihren geläufigen Namen nennt, oder gar die „Narrative“ in Frage stellt, die Herrschaft bedeuten, dann fühlen sich die Menschen eher berufen, ihre eigenen Inhalte, ihren Ausdruck, ihre Sprache als gleichwertig abgrenzen zu müssen. Und damit gleichzeitig sowohl dem Inhalt, als auch dem Dichter Menschen jegliche Anerkennung seiner Künste, in diesem als gewöhnlich wahrgenommenen Bereich zu verweigern.

      Was das Schicksal Schubarts interessant macht, ist m.E. seine Kollision mit den Interessen herrschaftlicher Macht, auch als Journalist in einem sehr frühen Stadium dieses Genres. Sein Engagement für soziale Fragen, gegen den Krieg und die soziale Isolation durch die Mächte seiner Zeit sind sicher auch etwas, das ihn zum Beispiel noch von Musikern wie Chopin, aber auch von Malern unterschieden haben, die es schon immer gewohnt waren, sich mit ihrem Landesfürsten zu arrangieren. Der bei entsprechender Begabung ja häufig ihr Sponsor war. Dichter standen und stehen schon immer in einem anderen Zusammenhang, auch wenn sie die Götter besungen haben. Ihr musischer Geist war oder ist häufig eben auch der Philosopie und dem Denken verpflichtet, das sowohl die Herren, als auch die Beherrschsten als gefährlich wahrnehmen. Persönlich kann ich sowohl das Schicksal des Dichters, als auch die Inhalte nachvollziehen, die diesem Gedicht Schubarts in meinen Augen zeitlose Bedeutung verleihen.

      (nachträgliche Rechtschreibkorrekturen; der besseren Lesbarkeit wegen ein wenig am Satzbau verändert…)

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s