Mein schönstes EM-Erlebnis.

Endlich: Ruhe im Karton! Wenn das Schwein pfeift, hupt und klingelt, Fussballfreudentränen fließen und der Fan die Nacht umzingelt, weil die Helden Tore schießen…

Verrückter Deutschland Fan

Es ist vorbei! Ein weiterer großer, vaterländischer Fußballkrieg, einer unter so vielen anderen (Vaterländern, Kriegen etc.), ist – wieder einmal – unglücklich verloren gegangen. „Wir“ haben die Franzosen dominiert, aber die haben leider die einzigen Punkte gemacht, die in diesem „grausigen Spiel“ wirklich Bedeutung haben… Was für eine Ungerechtigkeit in einer Welt, die unsere Leistung zwar sieht, anerkennt, aber nur dann doch nur nach den Kriterien von Sieg und Niederlage rechnet…

Dabei hatte ich mich schon damit abgefunden, dass es wieder länger wird, die Ohropax raus gelegt und das dicke Kissen für alle Fälle, um auch das auch noch auf den Kopf zu legen. Als ich dann in den Park ging, hörte ich auch noch die ersten Jubelschreie. Mir war klar, dass da noch kein Tor gefallen sein konnte, das wäre als Echo aus der ganzen Stadt zurück gekommen. Aber dann auf dem Rückweg hörte ich plötzlich gar nichts mehr. Und als ich aus der U-Bahn ausstieg, zeigte das Display der Fahrgastinformation, dass es 0:2 stand. Für die Franzosen! Leichte Verwunderung, ungläubiges Staunen. Dabei waren wir doch so sicher, so selbstbewusst in den Kampf gezogen, mit einer Elf, die zwar verletzungsgeschwächt, aber dennoch bester Hoffnung sein konnte, die Loorberen, die Früchte der Arbeit, den Titel mit nach Hause nehmen zu können. Zur großen Ehre der Nation, und ihrer fußballbegeisterten Politiker.

MERKEL MACHT FUßBALL SEIN

Ich gebe also zu, ich habe mich gefreut. Obwohl gegen die Italiener, beim Elfmeterschießen mein Herz noch eindeutig für Jonas Hector geschlagen hatte und ich es bewerkenswert fand, dass der große Fluch, die großen Azzurri noch nie in einem großen Turnier besiegt zu haben nicht mehr auf uns lastet..

Aber gestern war das alles irgendwie vergessen und ich habe es genossen, dass das Theater endlich vorbei ist. Und noch mehr, als dann später, im Gegensatz zu gewonnen oder verlorenen Spielen gegen Italiener, Türken oder wen auch immer keinerlei Hupkonzert zu vernehmen war. Kein deutsches Hupen, kein italienisches, kein kroatisches. Kein Ohropax, keine zusätzlichen Kissen. Einfach nur ab in die Heia und ungestört in meinen eigenen Träumen versinken zu können. Das war wirklich mein schönstes EM Erlebnis: Ruhe im Karton!

Je suis Griezmann!

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schna´sel vom 08.07.2016 (weil es definitiv ein tagesaktuelles Ereignis bleibt, schon heute auch an dieser Stelle)

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3 Kommentare zu “Mein schönstes EM-Erlebnis.”

  1. Je suis Griezmann!
    Dann simmer schon zu dritt …;)…

    Fast ernsthaft: Bei uns waren tatsächlich gestern die Franzosen im Korso unterwegs. Den Sinn eines solchen Korsos werde ich – egal welche Nationalität – nicht mehr verstehen. Gerne Fußball als Unterhaltung und um des sportlichen Aspekts willen, aber ohne Fähnchen. Das Finale am Sonntag wird also noch mitgenommen, aus purem Interesse an der Sache.

    Grüßle, Diander

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    1. Bei uns waren tatsächlich gestern die Franzosen im Korso unterwegs.

      Klar, hätte ich mir natürlich denken können… Also alles eine Frage des geografischen Standpunkts. Der Sinn ist archaisches Revierverhalten. Triebe, die normalerweise zivilisationsbedingt kontrolliert, und wenn jemand sich auf einem grundsätzlich anderen Level befindet auch „brutal unterdrückt“ werden müssen um in der Gemeinschaft der Menschen nicht zum Außenseiter zu werden. Hier dürfen sie sich unzensiert äußern. Und diese Ventilfunktion macht in meinen Augen auch „Sinn“, selbst wenn ich das Verhalten der Leute, die das, ich sag mal: „nötig haben“ damit nicht aufwerten möchte. Fußball als Unterhaltung kann ich persönlich leider kaum noch von diesem Rudelverhalten trennen. Das ist mir irgendwie abhanden gekommen, auch wenn mich ein gutes Spiel oder Einzelaktionen immer noch begeistern könnten: In der Regel lasse ich das gar nicht mehr zu…

      Jantos Verehrung ist witzig, aber wenn das nun einmal in den Raum gestellt ist: Ich komme nicht umhin mir die Frage zu stellen, was denn wäre, wenn jemand auf die Idee käme, seiner Begeisterung für die deutsche Damennationalmannschaft auf diese Weise Ausdruck zu verleihen… Das wäre dann nämlich vermutlich gar nicht mehr witzig, sondern sexistisch.
      Ich bin der Meinung, dass an dem Punkt grundsätzlich mit zweierlei Maß gemmessen wird, was sich unter anderem auch darin ausdrückt, dass ein und dieselbe Handlung unterschiedlich bewertet wird. Je nachdem, welches Geschlecht das obskure Ziel der Begierde ist: Handelt es sich auf der einen Seite um Sexismus, so ist auf der anderen Seite fast ausschließlich von grundlegenden sexuellen Freiheiten die Rede, die „wir“ beispielsweise auch autoritären Desposten gegenüber mit all unserer freiheitlichen Kraft verteidigen müssen. Ich will damit nicht irgendeiner Prüderie das Wort reden, ich bin mir nur sicher, dass ein entsprechendes GIF einer Stürmerin der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen oder welcher Frau auch immer unter Umständen einen Shitstorm ohnegleichen auslösen würde. Insofern weiß ich nicht, ob ich Jantos „Verehrung“ wirklich witzig finden soll…

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      1. Der Sinn ist archaisches Revierverhalten.Triebe, die normalerweise zivilisationsbedingt kontrolliert, und wenn jemand sich auf einem grundsätzlich anderen Level befindet auch „brutal unterdrückt“ werden müssen um in der Gemeinschaft der Menschen nicht zum Außenseiter zu werden. Hier dürfen sie sich unzensiert äußern.

        Im Prinzip ist da sicher was dran, für leider zunehmend viele. Das Eine ist die generelle Entwicklung, der zunehmende Nationalismus, der am Fußball nicht halt macht, sondern auch und gerade da ein Ventil findet, ja. Und dann kommt auch noch der Wettbewerbscharakter dazu, besser, größer, weiter, schlauer (schöner zählt auf kein offizielles Konto ein). Das ist der analytische Blick. Meine Beschreibung war persönlich gefärbt, das ist so meine Art, oft wenig theoretisch. Ich bin da insofern etwas entspannt, weil ich das Ganze nicht unter dem nationalen Aspekt sehe wie die, die ihre Autos mit Fähnchen dekorieren. In meinem Umfeld sind viele Nichtdeutsche, mit denen dann im Spaß, bestenfalls gemeinsam ein Spiel geschaut wird, ohne dass das Ganze in Klopperei ausartet, sondern als das, was es sein könnte. Vielleicht der Grund, warum ich mich noch leicht naiv (oder sogar mit Humor) am schönen Spiel freuen kann. Ohne dass ich aber das negative große Ganze verkenne.
        Und zu Grießmann, unumwunden: touché!

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