Zum Verschweigen der Zusammenhänge von Armut und sozialer Gewalt

Wie entsteht soziale Gewalt?

Unsere westlichen Zivilgesellschaften zeichnen sich seit Jahren dadurch aus, dass die Kluft zwischen den so genannten „Wohlstandsgewinnern“ und „Abgehängten“ sich immer mehr verbreitert. Der Druck, der gerade auf prekäre Lebensverhältnisse ausgeübt wird, sei es durch die mangelhafte Anpassung der Transferleistungen, verbunden mit immer weniger Möglichkeiten, bei steigenden Kosten für Lebenshaltung, speziell der Mieten, eine angemessene Existenzgrundlage zu finden, sei es durch Sanktionen der Ämter und die Stigmatisierung, die zusätzlich durch die Gesellschaft und deren Instititutionen erfolgen, erzeugt doch zwangsläufig Gewalt in den Bevölkerungsschichten, die jeden zusätzlichen „Mitbewerber“ nicht als möglichen Arbeitnehmer, sondern in erster Linie als Konkurrenten wahrnehmen. Ist das denn so schwer verständlich? Die Flüchtlinge landen nun mal nicht dort an, wo sich die Menschen ihre geschützten Freiräume hinter den Hecken ihrer Reihenhäuser oder gutbürgerlichen Villen reserviert haben. Deren Bewohner fahren auch seltener mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadteile mit den hohen Ausländeranteilen, was ihnen im Alltag völlig andere Wahrnehmungen bezüglich der Zusammensetzung der Bevölkerung und auch der Aggressionen beschert, die nicht nur zu Stoßzeiten in Bussen und Bahnen von ihren Mitbürgern ausgehen. Vermutlich werden sie sich an Silvester auch nicht bevorzugt dort aufhalten, wo die Zivilgesellschaft versucht, sich gegen asoziale Gefährder zu schützen. Zum Verschweigen der Zusammenhänge von Armut und sozialer Gewalt weiterlesen

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Das Luderjahr (2017)

Frohes neues Luderjahr

2017, 500 Jahre Einsamkeit:
95 Thesen. Anschlag in
an, auf, nach, zu.
Ein, zwei feste Burg,
95 Titel, 95 Temperamente.
Ab geht die Post,
faktisch bewegt sich
gar nichts mehr.
Kohle, Kohle, Kohle.
Widerstand ist Zweck,
Losverkäufer, Boxenluder, Formel Null:
Botschafterin Margot und
konkrete Visionen.
Für Nichts. Nihil, de Nada.
Zum Jahreswechselkurs
mit EKD statt EZB,
mit Bedford-Strohm
statt Bedford Blitz und Konstantin Opel.
Domplatte machen ohne
Barbies, Berber, Bosporus.
Keine Nafris,
keine Schwarzfüße.
Grün ist der Heide.
Die Heidi ist grün.

Lutherjahr 1937: Vierhundert-Jahr-Feier in Schönheide (Erzgebirge)
Lutherjahr 1937: Vierhundert-Jahr-Feier in Schönheide im Erzgebirge. Das gestickte Abzeichen „400-Jahrfeier Schönheide 1537-1937“ zeigt in der Mitte das Wappen des Dorfes mit einer Eiche und den gekreuzten Schlägel und Eisen. Links ist die Silhouette der Martin-Luther-Kirche und rechts die des Rathauses (vor der die Wappen-Eiche seit dem 17. Jahrhundert steht) abgebildet.

Auf ein Neues

Er ist vorbei, der große Rausch,
das Märchen von der Pfeffernuss.
Mit Donner und Geschenketausch
versankt das Jahr im Zuckerguss.

Man sattelte das Heimathuhn,
auch wenn’s mal wieder so nicht stimmt,
man musste wenigstens so tun
als läge alles Glück der Welt im Zimt.

Die heimelig vereiste Welt,
nun gibt sie frei, was übrig blieb:
Den Rest vom Fest vom Weihnachtsgeld,
den nackten Überlebenstrieb.

auf ein Neues

 

Genosse Weihnachtsmann

winke, winke Weihnachtsmann,
nun fängt es von vorne an:
wissen wie das „Wir“ entsteht,
hoffen, dass die Welt sich dreht.
Alle Jahre wieder
werden Menschen Brüder,
glauben, dass die Zeit vergeht.

Reihen, fest entschlossen,
finden so im Grunde
ihrer Herzen, die Genossen,
für die nächste Runde.
Die, wie sie vermuten,
ohne Haken, ohne Ösen
für die wirklich Guten
– und sie glauben wirklich dran –
anders sind, als all die Bösen
und der Bi-Ba-Butzemann.

Manuela spielt Weihnachtsmann

Mein Name ist Hase

Verwechselt mich nicht: Ich bin ein wildes Tier. Meine außerordentliche Fruchtbarkeit ist legendär. Ebenso die Haken die ich schlage. Und auch wenn Ihr es nicht glaubt: Ich weiß alles von Euch.

L0076362 Illustration of Beelzebub, MS 1766

Das Kaninchen

Heute morgen sitzt ein Kaninchen im Baum. Ganz oben, in den dünnen Zweigen einer schlanken Birke. Die biegen sich zwar, scheinen sich aber mit der Last abzufinden, die plötzlich auf ihnen ruht. Zwei Ringeltauben (Columba palumbus) hocken auf Ästen gleich nebenan und gurren laut. Eine von ihnen widmet sich ihren Verbeugungen. Mein Name ist Hase weiterlesen

Fragen an Radio Erdoğan

Witz nach der Blutwäsche: Bereits nach der Armenien Resolution sollte Cem Özdemir zum Bluttest. Nach dem gescheiterten Putsch entlässt Erdoğan Richter und entzieht auch 24 Radiosendern die Lizenz

Fragen an Rado Eriwan

In Anlehnung an die Witze über den berühmten Sender „Radio Eriwan„, der niemals wirklich existierte, in den achtziger Jahren aber ein Symbol für die Meinungsfreiheit bzw. deren Zensur in den Ländern des ehemaligen Ostblocks wurde, kam nach der Meldung, dass Recep Tayyip Erdoğan mittlerweile Tausende Richter, Anwälte, Staatsbedienstete entlassen, und nun auch 24 Radio- und Fernsehsendern die Lizenz entzogen hat, der Gedanke, dass sich dieser alte politische Witz gut auf die aktuelle Situation in der Türkei beziehen ließe. Vermutlich böte das eine Menge Potential, auch vor dem Hintergrund, der verantwortlich ist für das abhängige Verhältnis der EU zu diesem, gemessen an unseren viel zitierten Werten und europäischen Maßstäben, eigentlich nicht akzeptablen Partner.

Radio Erdogan

Vor allem aber Erdoğans Äußerung über Cem Özdemir, dem er, ganz in der Diktion von Blut und Rassenzugehörigkeit absprach, türkisches Blut in seinen Adern zu haben, hat mich zu einer ersten Variation auf einen alten Radio Eriwan Witz bewogen:

»Frage an Radio Erdoğan: Stimmt es, dass in der Türkei auch die Flöhe und Wanzen einen Putsch machen können?

Antwort: „Im Prinzip ja, denn auch in ihnen fließt aufständisches Blut. Zum Glück haben wir die aber alle aus dem Staatsdienst entlassen“«

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schna´sel 20.07.2016 

Mein schönstes EM-Erlebnis.

Endlich: Ruhe im Karton! Wenn das Schwein pfeift, hupt und klingelt, Fussballfreudentränen fließen und der Fan die Nacht umzingelt, weil die Helden Tore schießen…

Verrückter Deutschland Fan

Es ist vorbei! Ein weiterer großer, vaterländischer Fußballkrieg, einer unter so vielen anderen (Vaterländern, Kriegen etc.), ist – wieder einmal – unglücklich verloren gegangen. „Wir“ haben die Franzosen dominiert, aber die haben leider die einzigen Punkte gemacht, die in diesem „grausigen Spiel“ wirklich Bedeutung haben… Was für eine Ungerechtigkeit in einer Welt, die unsere Leistung zwar sieht, anerkennt, aber nur dann doch nur nach den Kriterien von Sieg und Niederlage rechnet…

Dabei hatte ich mich schon damit abgefunden, dass es wieder länger wird, die Ohropax raus gelegt und das dicke Kissen für alle Fälle, um auch das auch noch auf den Kopf zu legen. Als ich dann in den Park ging, hörte ich auch noch die ersten Jubelschreie. Mir war klar, dass da noch kein Tor gefallen sein konnte, das wäre als Echo aus der ganzen Stadt zurück gekommen. Aber dann auf dem Rückweg hörte ich plötzlich gar nichts mehr. Und als ich aus der U-Bahn ausstieg, zeigte das Display der Fahrgastinformation, dass es 0:2 stand. Für die Franzosen! Leichte Verwunderung, ungläubiges Staunen. Dabei waren wir doch so sicher, so selbstbewusst in den Kampf gezogen, mit einer Elf, die zwar verletzungsgeschwächt, aber dennoch bester Hoffnung sein konnte, die Loorberen, die Früchte der Arbeit, den Titel mit nach Hause nehmen zu können. Zur großen Ehre der Nation, und ihrer fußballbegeisterten Politiker.

MERKEL MACHT FUßBALL SEIN

Ich gebe also zu, ich habe mich gefreut. Obwohl gegen die Italiener, beim Elfmeterschießen mein Herz noch eindeutig für Jonas Hector geschlagen hatte und ich es bewerkenswert fand, dass der große Fluch, die großen Azzurri noch nie in einem großen Turnier besiegt zu haben nicht mehr auf uns lastet..

Aber gestern war das alles irgendwie vergessen und ich habe es genossen, dass das Theater endlich vorbei ist. Und noch mehr, als dann später, im Gegensatz zu gewonnen oder verlorenen Spielen gegen Italiener, Türken oder wen auch immer keinerlei Hupkonzert zu vernehmen war. Kein deutsches Hupen, kein italienisches, kein kroatisches. Kein Ohropax, keine zusätzlichen Kissen. Einfach nur ab in die Heia und ungestört in meinen eigenen Träumen versinken zu können. Das war wirklich mein schönstes EM Erlebnis: Ruhe im Karton!

Je suis Griezmann!

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schna´sel vom 08.07.2016 (weil es definitiv ein tagesaktuelles Ereignis bleibt, schon heute auch an dieser Stelle)