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Sie hieß Mary-Ann

Sixteen Tons

You load sixteen tons, what do you get
Another day older and deeper in debt
Saint Peter don’t you call me ‚cause I can’t go
I owe my soul to the company store

Im Original der amerikanischen Version beschreibt der Song den Alltag eines Coal Miners, also eines Bergarbeiters, der den ganzen Tag arbeiten muss, und abends seine Wertmarken, die er für den harten Job erhält in dem Lebensmittelladen ausgeben kann, der auch der Gesellschaft gehört für die er arbeitet. Der Song, den Merle Travis 1947 zum ersten Mal veröffentlichte, gründet auf einen angeblich authentischen Bericht seines Vaters, der auf die Frage nach seiner Gesundheit geantwortet haben soll, dass er es sich nicht leisten könne zu sterben, da er seine Seele dem Lebensmittelladen schulde, bei dem er Kredit hätte…

Mich erinnert das schon an die heutige Situation vieler Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, für irgendeinen Halsabschneider zu arbeiten, um am Abend dann im Fernsehen oder im Internet das einzukaufen, was man ihnen als Realität serviert. Angefangen vom Sport, über die Unterhaltung, bis hin zu den „wichtigen Ereignissen“ des Tages, der Politik und den täglichen Katastrophen, die als Nachrichten doch nicht viel mehr Bedeutung haben, als eine Ware für die man in irgendeiner Form bezahlt. Und sei es nur mit den Daten, die man über sich preisgibt, wenn man auf den News Seiten surft.

Aber auch die deutsche Version hat in meinen Augen ihre Bedeutung, obwohl sie diesen letzten, bitteren Satz des original Refrains natürlich nicht so treffend wiedergibt. Die „Mary-Ann“, die ihren Kapitän nicht los lässt, bis er schließlich mit ihr untergeht, ist für mich eine schöne Metapher für dieses „festgenagelt sein“ auf eine bestimmte Wahrnehmung seiner eigenen Situation und dessen, was man für wahr hält. Sie steht für den Dampfer, auf den man sich meistens schon als junger Mensch mehr oder weniger freiwillig begibt, ohne jemals den Absprung zu schaffen:

Sie hieß Mary-Ann

Sie hieß Mary-Ann und war sein Schiff
Er hielt ihr die Treue was keiner begriff
Es gab so viele Schiffe so schön und groß
Die Mary-Ann aber ließ ihn nicht los

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Freiheit die wir meinen?

Inzucht ist kein wildes Tier
alte Pappkamerad*innen auf dem Siegesmarsch
scharmützeln süßsauer in muffigen Gräben
Treibsand vergeblicher Liebesmüh
sabbeln, singen schief
geschwollene Kämme, zerbrochene Dämme
Zornesröte
frei sind da nur die offenen Wunden
die stolze Verbitterung
die lautstarken Schwären, die sich gebären
da, wo es stinkt in den siebenten Himmeln
gekränkter Lust
erbrechen sich bitterste Zynismen
in die gaffende Gemeinde
Geifer, Geifer über alles
Der Osten bleibt rot, die Sonne geht auf
Heimat ruft:
„Freiheit die wir meinen!“

Über kollektive Inzucht
Weil es nicht mehr stimmt, wenn es stinkt, wo angeblich Freiheit winkt.
Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schna´sel