Archiv der Kategorie: Der Freitag

Als Oberkategorie für Beiträge, die ich zurest in „Der Freitag“ veröffentlicht hatte

Mein Name ist Hase

Verwechselt mich nicht: Ich bin ein wildes Tier. Meine außerordentliche Fruchtbarkeit ist legendär. Ebenso die Haken die ich schlage. Und auch wenn Ihr es nicht glaubt: Ich weiß alles von Euch.

L0076362 Illustration of Beelzebub, MS 1766

Das Kaninchen

Heute morgen sitzt ein Kaninchen im Baum. Ganz oben, in den dünnen Zweigen einer schlanken Birke. Die biegen sich zwar, scheinen sich aber mit der Last abzufinden, die plötzlich auf ihnen ruht. Zwei Ringeltauben (Columba palumbus) hocken auf Ästen gleich nebenan und gurren laut. Eine von ihnen widmet sich ihren Verbeugungen. Mein Name ist Hase weiterlesen

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Fragen an Radio Erdoğan

Witz nach der Blutwäsche: Bereits nach der Armenien Resolution sollte Cem Özdemir zum Bluttest. Nach dem gescheiterten Putsch entlässt Erdoğan Richter und entzieht auch 24 Radiosendern die Lizenz

Fragen an Rado Eriwan

In Anlehnung an die Witze über den berühmten Sender „Radio Eriwan„, der niemals wirklich existierte, in den achtziger Jahren aber ein Symbol für die Meinungsfreiheit bzw. deren Zensur in den Ländern des ehemaligen Ostblocks wurde, kam nach der Meldung, dass Recep Tayyip Erdoğan mittlerweile Tausende Richter, Anwälte, Staatsbedienstete entlassen, und nun auch 24 Radio- und Fernsehsendern die Lizenz entzogen hat, der Gedanke, dass sich dieser alte politische Witz gut auf die aktuelle Situation in der Türkei beziehen ließe. Vermutlich böte das eine Menge Potential, auch vor dem Hintergrund, der verantwortlich ist für das abhängige Verhältnis der EU zu diesem, gemessen an unseren viel zitierten Werten und europäischen Maßstäben, eigentlich nicht akzeptablen Partner.

Radio Erdogan

Vor allem aber Erdoğans Äußerung über Cem Özdemir, dem er, ganz in der Diktion von Blut und Rassenzugehörigkeit absprach, türkisches Blut in seinen Adern zu haben, hat mich zu einer ersten Variation auf einen alten Radio Eriwan Witz bewogen:

»Frage an Radio Erdoğan: Stimmt es, dass in der Türkei auch die Flöhe und Wanzen einen Putsch machen können?

Antwort: „Im Prinzip ja, denn auch in ihnen fließt aufständisches Blut. Zum Glück haben wir die aber alle aus dem Staatsdienst entlassen“«

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schna´sel 20.07.2016 

Mein schönstes EM-Erlebnis.

Endlich: Ruhe im Karton! Wenn das Schwein pfeift, hupt und klingelt, Fussballfreudentränen fließen und der Fan die Nacht umzingelt, weil die Helden Tore schießen…

Verrückter Deutschland Fan

Es ist vorbei! Ein weiterer großer, vaterländischer Fußballkrieg, einer unter so vielen anderen (Vaterländern, Kriegen etc.), ist – wieder einmal – unglücklich verloren gegangen. „Wir“ haben die Franzosen dominiert, aber die haben leider die einzigen Punkte gemacht, die in diesem „grausigen Spiel“ wirklich Bedeutung haben… Was für eine Ungerechtigkeit in einer Welt, die unsere Leistung zwar sieht, anerkennt, aber nur dann doch nur nach den Kriterien von Sieg und Niederlage rechnet…

Dabei hatte ich mich schon damit abgefunden, dass es wieder länger wird, die Ohropax raus gelegt und das dicke Kissen für alle Fälle, um auch das auch noch auf den Kopf zu legen. Als ich dann in den Park ging, hörte ich auch noch die ersten Jubelschreie. Mir war klar, dass da noch kein Tor gefallen sein konnte, das wäre als Echo aus der ganzen Stadt zurück gekommen. Aber dann auf dem Rückweg hörte ich plötzlich gar nichts mehr. Und als ich aus der U-Bahn ausstieg, zeigte das Display der Fahrgastinformation, dass es 0:2 stand. Für die Franzosen! Leichte Verwunderung, ungläubiges Staunen. Dabei waren wir doch so sicher, so selbstbewusst in den Kampf gezogen, mit einer Elf, die zwar verletzungsgeschwächt, aber dennoch bester Hoffnung sein konnte, die Loorberen, die Früchte der Arbeit, den Titel mit nach Hause nehmen zu können. Zur großen Ehre der Nation, und ihrer fußballbegeisterten Politiker.

MERKEL MACHT FUßBALL SEIN

Ich gebe also zu, ich habe mich gefreut. Obwohl gegen die Italiener, beim Elfmeterschießen mein Herz noch eindeutig für Jonas Hector geschlagen hatte und ich es bewerkenswert fand, dass der große Fluch, die großen Azzurri noch nie in einem großen Turnier besiegt zu haben nicht mehr auf uns lastet..

Aber gestern war das alles irgendwie vergessen und ich habe es genossen, dass das Theater endlich vorbei ist. Und noch mehr, als dann später, im Gegensatz zu gewonnen oder verlorenen Spielen gegen Italiener, Türken oder wen auch immer keinerlei Hupkonzert zu vernehmen war. Kein deutsches Hupen, kein italienisches, kein kroatisches. Kein Ohropax, keine zusätzlichen Kissen. Einfach nur ab in die Heia und ungestört in meinen eigenen Träumen versinken zu können. Das war wirklich mein schönstes EM Erlebnis: Ruhe im Karton!

Je suis Griezmann!

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied schna´sel vom 08.07.2016 (weil es definitiv ein tagesaktuelles Ereignis bleibt, schon heute auch an dieser Stelle)

Das „Sommermärchen“

Das Sommermärchen in der Allianz Arena...
Das „Sommermärchen“: hier die Allianz Arena

Andreas Mitzschke fragt in einem Blog (Schwarz-Rot-Gold 2016), den er im Freitag veröffentlicht hat:

»Was ist los mit Deutschlands Sommermärchen?«

Ich denke, dass die Antwort auch etwas damit zu tun hat, wie sich die Dinge in den letzten 10 Jahren entwickelt haben, bzw. entwickeln mussten, weil das unter den gegebenen Bedingungen gar nicht anders zu erwarten war. 2006, da war die Lehman Brothers Welt noch in Ordnung, und die Welt bereit, an die Märchen zu glauben, mit der neoliberale Vorbeter uns auf die Narrative der kommenden Dekaden eingestimmt haben. Dazu gehörte ein gewandeltes Deutschland, vor dem sich weder die Griechen, noch die prekär Beschäftigten fürchten sollten, weil dieses Deutschland Märchen über alles liebt und selber märchenhaft freundlich geworden ist. Heute nun kommt der große, böse Wolf. Die italienischen Liebhaber, die unsere Latin Lover Phobien stimulieren weil sie die Mädchenherzen höher schlagen lassen…

Wie dem auch sei: Unsere großartige Fußballnation konnte, wie wir alle wissen, leider bislang noch niemals einen Turniersieg gegen die Mannschaft unserer ehemaligen Gastarbeiter erringen. Und da heute dieses „Schicksalsspiel“ Deutschland – Italien stattfindet, soll das für mich die Gelegenheit sein,  der Welt meinen Kommentar zu dieser weltbewegenden Frage von Andreas Mitzschke auch an dieser Stelle nicht vorzuenthalten.

Was los ist mit Deutschlands Sommermärchen

Ich glaube, dass es ganz einfach ist, die Frage plausibel zu beantworten: Lügen haben kurze Beine. Und wenn das ganze Volk belogen wird, und wenn, um Reibach zu machen zusätzlich auf der sentimentalen Klaviatur eines Nationalgefühls gespielt wird, dem man echte Werte, ehrliche Inhalte zu Grunde legen müsste, damit es kein Fundament aus Sand darstellt, dann darf man sich nicht wundern wenn das dabei heraus kommt, was dabei heraus gekommen ist: Angefangen bei Pegida und noch lange nicht zu Ende bei den Brandsätzen gegen Flüchtlingsunterkünfte, der unseeligen Debatte um die AfD oder dem rechten Rand der rechts von der CSU in Deutschland keine Heimat mehr finden sollte.

Das Problem ist, dass der Schein, (von dem Mitzschke spricht)  „die Deutschen könnten ohne nationalistische Deutschtümelei und völkische Rassenidiotie ihr Land und seine Nationalfarben feiern“ kaum mehr war, als kalkuliertes und nüchternes Geschäftsgebaren und die neue Möglichkeit „wieder stolz sein auf sein Land“ zu sein, von vorne herein kaum mehr, als unerfüllte Sehnsucht, Nachholbedüfnis und als solches ein profitables Verkaufsargument.

Und ich glaube auch nicht (wie Mitzschke), dass die Welt 2016 ganz anders aussieht. Es ist einfach so, dass die Leere der Gefühlsklischees offensichtlich wird, die in dem Moment, als sie für bestimmte Zwecke gebraucht und gezielt angesprochen wurden, genau so echt gewirkt haben, wie bei jedem gut inszenierten Hollywood Kino. Und die alle für Realität gehalten haben. Natürlich stecken Sehnsüchte dahinter und auch Wahrheiten. Aber wenn die Wahrheit nicht über die Sensationen hinaus gehen, die das Kino ausgemacht haben, dann zerplatzen die Träume irgendwann und lassen Leere zurück. Wie das auch in Hoppers berühmtem Bild Nighthawks zum Ausdruck kommt.

Sicher waren es keine amerikanischen Träume, die geplatzt sind, es waren deutsche Träume und Sehnsüchte. Aber die Mechanik ist in meinen Augen die gleiche: Versprechungen eines Traums, den man mit wirklichen Inhalten und gelebten Werten hätte füllen müssen, wenn er sein Versprechen halten soll. Das ist nicht geschehen, das konnte auf dieser Basis gar nicht stattfinden. Weder war das so genannte Sommermärchen ein Märchen im positiven Sinn, sondern eine Lügengeschichte, noch konnte es die Werte ersetzen, nach denen sich das Volk als Ganzes immer noch sehnt. Und die so lange unerfüllt bleiben, werden, bis man sie als die eigentlichen Werte anerkennt. Was wir an Enttäuschung real erleben, ist die Realität jenseits der Scripted Reality, die damals stattgefunden hat. Eine Illusion, die zur Normalität geworden ist und die von den Medien damals wie heute begeistert aufgegriffen wird.

Geblieben sind die Sehnsüchte. Und die Herausforderung, auf diese Sehnsüchte wirklich eine angemessene Antwort zu finden ist immer noch die Gleiche. Aber es wird niemanden geben, der sich ihr ernsthaft stellen wird.

Brexit like Beckham

It’s all about fashion… Don’t worry. Nothing really happened…
Just a an ordinary sale, as it takes place in every business from time to time.

barbed wire bulge with beckham

(all about Natodraht…)

Neue Trends zur Bewältigung der Krise

Die EU Kommision beschließt die Weiterzulassung von Glyphosat, Jean Claude Juncker will CETA ratifizieren, an den nationalen Parlamenten vorbei auf EU Ebene, und Cameron, der für das Europa Desaster schlechthin verantwortlich ist, die aktuelle Situation, stellt sich im Parlament offen auf die Seite, der von den neoliberalen Tories ebensowenig, wie die SPD von der CDU unterscheidbaren konservativen Labour Abgeordneten und sagt dem Oppositionsführer Corbyn: „In Gottes Namen, Mann, gehen Sie!

Was man daraus erfährt

Mir zeigt das nur eines: Diejenigen, die Europa zu dem herabgewirtschaftet haben, was es heute darstellt, die für die Probleme verantwortlich sind, haben nichts begriffen. Und sie wollen auch nichts begreifen. Sie wollen einfach nur so weiter machen wie bisher. Vielleicht wollen sie nun das Tempo ein wenig drosseln, damit die Dummies, die dieses Europa beginnen abzuwählen, Zeit haben, zu begreifen, dass es ihnen auch privat ans Portemonnaie geht, wenn die Reichen sich europäisch nicht mehr so bedienen dürfen, wie sie es über Jahrzehnte gewohnt waren, aber eigentlich wollen sie einfach nur „weiter im Text“.

Und dieser Text steht für nichts anderes, als für die gleiche Blindheit der Regierenden, die seit Jahren Verhältnisse erzeugt, unter denen die Bedingungen für die Abgehängten in den Nationalstaaten immer ungerechter werden; und der jetzt auch die Chancen zum Opfer fallen werden, die sich durch den unvorhergesehenen Ausgang des Referendums vielleicht hätten ergeben können. Brexit like Beckham weiterlesen

Der Jagdschein

Den braucht man im Revier. Fred hatte keinen. Und er war fest davon überzeugt, dass er niemals einen brauchen würde, weil ihm natürlicherweise keiner gewachsen war…

Wilhelm Hochgreve, Schriftsteller und Jäger (Jagdschein)
Jagdschein Wilhelm Hochgreve, Schriftsteller und Jäger

Strafen und heilen, Segen verteilen. Oben und unten, rechts und links. Was zu sagen wäre, was zu tun sei, was keiner hören wolle und was man besser keinem erzählte. Wenn man aber insofern Stellung bezöge, wäre das zu verstehen entgegen aller Regeln der Kunst gemeinsamen Lebens. Den Stengel rauf, runter, rauf, runter. Über Kunst, Brunst, Hintergründe, Absichtserklärungen, Hysterie. Mann fragt sich: „Kann ich das überhaupt? Habe ich genug getan?“ Müdigkeit, Verdrossenheit, das Gegenteil. Der Jagdschein weiterlesen